Atembrief von Gertrud, Woche 8

Lie­be Atem­freun­din­nen und Atem­freun­de, 

das wird heu­te mal ein Brief auch in eige­ner Sache: 

Land in Sicht,
singt der Wind
in mein Herz
Die lan­ge Rei­se ist vor­bei.
Mor­gen­licht weckt mei­ne See­le auf.
Ich lebe wie­der und bin frei.
so beginnt ein Song von Rio Rei­ser 

.….-na ja, viel­leicht ist die­se Sicht auf die aktu­el­le Situa­ti­on ja doch ein wenig zu opti­mis­tisch, aber ein gewis­ser Über­gang zwi­schen Hoff­nung und Ban­gen, Nie­der­ge­schla­gen­heit und wach­sen­der Freu­de ist in Sicht.  Wir soll­ten aller­dings im Über­schwang der Freu­de nicht alle Brem­sen auf ein­mal lösen und schlicht eine gesun­de Acht­sam­keit bei­be­hal­ten. 

Über­gän­ge sind beson­de­re Zei­ten und hal­ten die schöns­ten und größ­ten Her­aus­for­de­run­gen und Lern­pro­zes­se für uns alle bereit. Sie wol­len gestal­tet und gelebt wer­den: wir ken­nen abrup­te und unver­mit­tel­te Über­gän­ge, all­mäh­li­che und zar­te, kon­ti­nu­ier­li­che, ritu­el­le .….……unser Leben besteht aus Über­gän­gen, vom ers­ten Tag unse­res Lebens an müs­sen wir uns mutig und beherzt Neu­em stel­len.….… die­se Dyna­mik drückt sich sowohl in jedem ein­zel­nen Atem­zy­klus vom EINATEM zum AUSATEM zur ATEMSTILLE aus wie im Über­gang von einem zum nächs­ten Atem­zy­klus, bis dar­aus im bes­ten Fall ein Flie­ßen wird, und wir uns ohne Fest­hal­ten von Bekann­tem ver­ab­schie­den, das Neue begrü­ßen, ohne zu wissen.….…damit machen wir uns als Atmen­de immer wie­der von neu­em ver­traut. 

Bei mir selbst neh­me ich zur Zeit wahr, dass ich wie­der begin­ne, die ers­ten vor­sich­ti­gen Schrit­te hin zu einer “ana­lo­gen Atem­Ar­beit”  zu pla­nen. Dabei habe ich schon schmerz­lich ler­nen müs­sen, dass für mich als Heil­prak­ti­ke­rin eine “Drau­ßen­pra­xis” recht­li­che Grau­zo­ne ist, sozu­sa­gen als „Markt­platz­mo­dell“ gilt, dem das Gesund­heits­amt vor­her zustim­men müss­te, dabei hat­te ich schon soooo einen schö­nen Platz im Kleist­park für die ers­te Atem­grup­pe aus­ge­sucht. Das Ord­nungs­amt steht dem außer­dem gleich­zei­tig im Weg. Da gibt es noch viel Klä­rungs­be­darf. Ich wer­de die ent­spre­chen­den Stel­len um Aus­kunft bit­ten, ob es Aus­nah­men in die­ser beson­de­ren Zeit gibt. 

Grund­sätz­lich gilt, dass ich als Heil­prak­ti­ke­rin arbei­ten darf, “ was medi­zi­nisch not­wen­dig ist” , und der “Gesund­heit för­der­lich”. Die Ein­zel­ar­beit auf dem Hocker nut­zen ja mitt­ler­wei­le schon eini­ge von euch.…..das soll jetzt ein klei­ner Wink mit dem Zaun­pfahl sein für alle die sonst auf der Behand­lungs­lie­ge im Atem­ge­spräch mit mir sind(!)  

Den­je­ni­gen von Euch die vor Coro­na regel­mä­ßig an den Atem­grup­pen teil­ge­nom­men haben schla­ge ich eine ande­re Vari­an­te vor, bis ein­deu­tig klar ist wann es wie­der los­ge­hen kann, und zwar ohne “Munaske”. Atem­ar­beit mit Mas­ke .…..wer mag sich denn so was ernst­haft vor­stel­len.….. 

Ich wer­de ent­we­der zuhau­se, in der Pra­xis, oder auf irgend­ei­nem “Drau­ßen­platz”  jeweils Mon­tags im ver­trau­ten Zeit­raum von 19.00 –20.15 und Frei­tags von 17.15 – 18.30 mei­ne per­sön­li­che Atem­ar­beit machen und lade euch ein, in die­sem Zeit­raum mit­zu­ma­chen, dort wo Ihr gera­de seid. Das kön­nen ein paar Minu­ten sein, eine hal­be Stun­de oder die gesam­te Zeit­dau­er der übli­chen Atem­grup­pe.. So fin­den wir wie­der zur ver­trau­ten Zeit zusam­men und stär­ken unse­re Atem­com­mu­ni­ty. Sucht euch einen schö­nen Platz und beginnt, euch in die­sem Zeit­raum an Atem­ar­beit anzu­bie­ten was euch ein­fällt bzw. gera­de gut tut: vom Aus­strei­chen übers Durch­kne­ten und Aus­klop­fen des Kör­pers, Hän­de auf­le­gen und Atem spü­ren, genüss­li­ches Deh­nen, unge­nier­tes Gäh­nen, Geräu­sche und Töne, Kon­so­nan­ten und Voka­le, tram­peln­de oder tan­zen­de Füße, aus­la­den­de und kraft­vol­le Schwün­ge jeg­li­cher Art, die Wir­bel­beu­ge, die Kos­mi­sche Übung, die Atem­übung der Woche oder lasst ein­fach euren Atem frei in die Bewe­gung. Eurer Atem­p­ra­xis und Krea­ti­vi­tät sind kei­ne Gren­zen gesetzt. Bleibt solan­ge dabei, und sei es auch nur in einer ein­zi­gen Übung, bis ein Fluss ent­steht und eure inne­re Atem­be­we­gung und die dar­aus ent­ste­hen­de Bewe­gung im Ein­klang sind. Ich star­te mor­gen damit, es wäre wun­der­bar wenn ihr gleich beim ers­ten Mal mit­macht. Das soll euch nicht von eurer täg­li­chen Pra­xis abhal­ten. Über ein feed­back zur Sinn­haf­tig­keit mei­nes Vor­schlags freue ich mich. Ihr wer­det erle­ben, gemein­sam “Atmen macht glück­lich”. 

Dazu sind natür­lich auch alle ande­ren ein­ge­la­den die sonst nicht zu den Atem­grup­pen kom­men, oder schon lan­ge nicht mehr da waren.  Irgend­wann wer­den dann auch wie­der die Pra­xis­tü­ren und –fens­ter für unse­re gemein­sa­me Atem­ar­beit weit geöff­net sein.  Und die Trä­nen von ges­tern wird die Son­ne trock­nen, die Spu­ren der Ver­zweif­lung wird der Wind verweh´n. Die durs­ti­gen Lip­pen wird der Regen trös­ten und die längst verlor´n Geglaub­ten wer­den von den Toten aufersteh´n. Immer noch Rio 

Als Atem­übung der Woche schon mal die fei­ne Andeu­tung eines Lachens: der Zau­ber eines inne­res Lächeln auf eurem Gesicht.  

Und noch was zu eurer Freu­de und zum Nach­den­ken: 

P.S.“Die Gelas­sen­heit ist eine anmu­ti­ge Form des Selbst­be­wusst­seins” Marie von Ebner-Eschen­bach aus “ande­re zei­ten” , Das Maga­zin zum Kir­chen­jahr 2/2020. Ist das nicht eine “anmu­ti­ge” Beschrei­bung einer meist müh­sam erwor­be­nen inne­ren Hal­tung. 

P.S. Falls Ihr doch mal durch­hängt in die­sen Zei­ten, möch­te ich eine Musik mit euch tei­len, die mir eine Atem­schü­le­rin letz­te Woche geschenkt hat, sie bringt das Licht wie­der in eure Her­zen, Nina Simo­ne: Here comes the sun, auf you­tube zu fin­den. Dort fin­det ihr auch den Song von Sebas­ti­an Krum­bie­gel: Die Demo­kra­tie ist weib­lich. 

P.S. und nicht ver­ges­sen: “Poli­tik wird stets von Men­schen gemacht. Sie beein­flus­sen oder beherr­schen die Medi­en, die Kul­tur, die Wis­sen­schaft und die Reli­gi­on. Und das was sie tun, was sie für rich­tig oder falsch hal­ten, hängt vom Grad ihrer see­li­schen Gesund­heit oder Ent­frem­dung ab” aus Hans Joa­chim Maaz, “Das gespal­te­ne Land”, das ich gera­de lese.   Eure opti­mis­ti­sche Atem­leh­rer­in­Habt es gut bis zur nächs­ten WocheGer­trud  

Atemübung der Woche 8.pdf
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