Atemübung, Woche 6

Ger­trud Kut­scher, Pra­xis für atem­ori­en­tier­te Kör­per­ar­beit, gk@atemkraft.de www.atemkraft.de

Das Federn — „Atem ist Bewe­gung, Bewe­gung ist Leben“

Vor­aus­set­zung dazu ist ein guter Stand, mit dem habt Ihr euch die letz­ten Wochen mit den Klei­nen Schrit­ten und der Balan­ce­übung schon ver­traut gemacht.

Zu eurer Erin­ne­rung , Ihr steht etwa hüft­breit — das Gewicht etwas mehr auf dem Vor­der­fuß, Fuß‑, Knie- und Hüft­ge­len­ke sind beweg­lich — und spürt wie der Boden sich an eure Fuß­soh­len anschmiegt.

Dann beginnt Ihr leicht aus den Fuß­ge­len­ken her­aus zu federn, so dass sich eure Fer­sen bei jeder Bewe­gung ein wenig vom Boden lösen.

Die­se klei­ne Bewe­gung kann eine gro­ße Her­aus­for­de­rung für unbe­weg­li­che Fuß­ge­len­ke sein, tut aber unglaub­lich gut. Sie setzt sich nach und nach über alle Gelen­ke – die­se sind wie Tore zwi­schen den ein­zel­nen Instan­zen – Mus­kel­schich­ten und inne­ren Orga­ne fort und Ihr beginnt im Gan­zen fein zu schwin­gen.

Euer Kör­per wird bis in jede ein­zel­ne Zel­le durch­läs­sig für die Bewe­gung eures Atem, ihr wer­det leben­dig.

Ihr könnt auch klei­ne Vari­an­ten ein­bau­en, z. B. das Gewicht mal mehr auf einen oder den ande­ren Fuß ver­la­gern. Oder ihr beginnt wie ein klei­ner Ball durch die Gegend zu hüp­fen wenn euch die Bewe­gungs­lust packt.

Gebt die­sen Impul­sen nach.

Wenn Ihr mit der Bewe­gung auf­hört, hal­tet einen Moment inne und genießt die ers­ten umfang­rei­che­ren Atem­zü­ge die ent­ste­hen.

Atem ist Bewe­gung, Bewe­gung ist Leben“

und los gehts Ger­trud

Atem­brief

Lie­be Atem­freun­din­nen und Atem­freun­de, 
Vol­taire sag­te, der Him­mel habe uns zum Gegen­ge­wicht gegen die vie­len Müh­se­lig­kei­ten des Lebens zwei Din­ge gege­ben: die Hoff­nung und den Schlaf. Er hät­te noch das Lachen dazu rech­nen kön­nen;.“ Imma­nu­el Kant 

https://gutezitate.com/autor/voltaire)   und  Vol­taire direkt:  “ Da es sehr för­der­lich für die Gesund­heit ist, habe ich beschlos­sen, glück­lich zu sein.“ 

Für den heu­ti­gen Brief an euch bin ich in einer Zita­ten­samm­lung fün­dig gewor­den. Ich muss­te mich inspi­rie­ren las­sen, da ich selbst zur Zeit öfter eine klei­ne Gereizt­heit und Unru­he spü­re, wenn mir wie­der einer der vie­len männ­li­chen Exper­ten die Coro­na­welt erklärt und mich davor warnt, den R Fak­tor hoch zu trei­ben. ( Ganz neben­bei, wo sind eigent­lich die vie­len kom­pe­ten­ten Fach­frau­en geblie­ben, arbei­ten die z.Zt alle ehren­amt­lich im Kran­ken­haus? ). Mei­ne zeit­wei­se schwan­ken­de Stim­mung woll­te ich auf gar kei­nen Fall an Euch wei­ter­ge­ben, das wäre schlecht für mein und euer Immun­sys­tem, und das müs­sen wir ja stär­ken, wenn wir dem Virus nicht hilf­los aus­ge­lie­fert sein wol­len. 

Am Don­ners­tag hat­te ich mir  in 3SAT Scobel´s Sen­dung über Osteo­pa­thie und Hei­len­de Hän­de (!) ange­schaut. Dort hat­te ein (männ­li­cher) Psy­cho­neu­ro­im­mu­no­lo­ge sehr ein­drück­lich dar­ge­legt, wie psy­chi­scher Druck, Stress und Angst unser Immun­sys­tem und sei­ne Abwehr­kraft schwä­chen und damit unse­re Infekt­an­fäl­lig­keit zunimmt. Das kön­nen wir ja zur Zeit gar nicht gebrau­chen. Berüh­rung hat übri­gens die ent­ge­gen­ge­setz­te Wir­kung.( bei Wiki­pe­dia fin­de ich:  “Die Psy­cho­neu­ro­im­mu­no­lo­gie (PNI) oder Psy­cho­im­mu­no­lo­gie ist ein inter­dis­zi­pli­nä­res For­schungs­ge­biet, das sich mit der Wech­sel­wir­kung der Psy­che, des Ner­ven­sys­tems und des Immun­sys­tems beschäf­tigt.”)  

Mei­ne Suche nach Inspi­ra­ti­on war erfolg­reich.  Von einem Moment auf den ande­ren war ich hell­wach und mun­ter, erin­ner­te ich mich doch wie­der an den Satz von Ilse Mid­den­dorf: “Atmen macht glück­lich”. Ich hat­te ver­ges­sen, wie ein­fach es ist glück­lich zu sein! Die Hän­de emp­fin­dungs­be­wusst auf die Kör­per­mit­te legen, auf die Nie­ren­ge­gend, aufs Brust­bein oder um die Flan­ken oder wo auch immer wir ger­ne unse­re Hän­de hin­le­gen möch­ten, und wir kön­nen spü­ren, wie unse­re Atem­be­we­gung uns bewegt und belebt. Kei­ner­lei Anstren­gung, wir müs­sen nicht ein­mal ganz beson­ders “gut” atmen, son­dern nur mit dem Atem sein der da ist. Die Zuwen­dung und Berüh­rung  unse­rer Hän­de, die wir uns in dem Moment schen­ken, bringt uns in  den Fluss unse­res Atems,  Herz­schlag und Blut­druck wer­den gesenkt, wir fin­den zu unse­rem Gleichgewicht.……es fehlt uns nichts mehr.…..wir sind zurück in unse­rem Haus.….und las­sen uns von kei­nem Exper­ten mehr vor die Tür locken und in Panik ver­set­zen. Unser Immun­sys­tem freut sich, wird  wie­der mun­ter. Die­sen Zustand ken­nen alle die sich schon mal mit Neu­gier und Inter­es­se ihrem Atem zuge­wandt haben. Zuge­ge­ben, manch­mal braucht es ein klein wenig Geduld. Die Zeit dazu hät­ten wir ja jetzt.  Je öfter wir die­sen Weg wäh­len, des­to ver­trau­ter wird er für uns, unse­re Zel­len begin­nen sich zu erin­nern und unser klei­nes Glück ent­steht. Es schließt alles mit ein, die Freu­de und die Trau­rig­keit, die Angst und die Zuver­sicht, das Trä­ge und die Vita­li­tät, das sich allein und das sich ver­bun­den füh­len.….…. 

Abstand hal­ten und Schlan­ge ste­hen vor dro­spa, Ede­ka oder vorm Bau­markt kön­nen wir wun­der­bar nut­zen um unse­rem Immun­sys­tem den nöti­gen Schub zu geben( klei­ne Erin­ne­rung an die Balan­ce­übung der letz­ten Woche). Wir brau­chen kei­ne beson­de­ren Bedin­gun­gen um uns unse­rem Atem zuzu­wen­den, wir haben ihn immer dabei. Pfle­gen und stär­ken wir unse­re Freund­schaft mit ihm in die­sen beson­de­ren Zei­ten.. Er dankt es uns unmit­tel­bar und lässt uns von Kopf bis Fuß zu leben­di­gen Men­schen wer­den.  Ein Gefühl von Ver­bun­den­sein stellt sich ein, mit uns selbst und mit allen die atmen. “ Phy­si­cal” und “social distancing” ver­lie­ren ihre Macht über uns.  Kein ohn­mäch­ti­ges aus­ge­lie­fert sein mehr. Was für ein Glück.Ach ja, apro­pos Lachen, die bes­te Zwerch­fell­mas­sa­ge über­haupt, es befreit, steckt an, ver­bin­det und ist hun­dert­pro­zen­tig unglaub­lich immun­stär­kend. Wir soll­ten es zur Köni­gin aller Atem­übun­gen erklä­ren.


Mei­ne Emp­feh­lun­gen für euren Werk­zeug­kof­fer in der Coro­na Tris­tesse:

P.S.  Die Atem­übung der Woche: das Federn, ein Wach­ma­cher am Mor­gen und für zwi­schen­durch.

P.S. Früh am Mor­gen den Duft des Flie­ders, z.B. im Gleis­drei­eck Park, genie­ßen und auf die Blü­ten­pracht des Rho­do­den­dron in Tier­gar­ten und Brit­zer Gar­ten war­ten.

P.S. Kennt Ihr den Satz, dass gutes Essen eine Art See­len­mas­sa­ge ist, wer braucht die im Moment nicht! Ich habe das Kicher­erb­sen Stew von Ali­son Roman, der “Köni­gin des Home Coo­king” aus­pro­biert mit dem sie vor vie­len Jah­ren berühmt gewor­den ist. Sie wur­de im vor­letz­ten ZEIT Maga­zin mit dem Schwer­punkt “Ein­fach zu Hau­se kochen!” vor­ge­stellt. Köst­lich, das Ergeb­nis. Wer´s aus­pro­bie­ren mag: https://www.rastlos-geloest.com/what-to-cook/alison-romans-chickpea-turmeric-stew/ P.S. Und zu guter Letzt, täg­lich Sebas­ti­an Puf­paffs  “Noch nicht Schicht” in 3SAT ein­schal­ten.  

Habt es gut bis zur nächs­ten Woche
Ger­trud

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