Atembrief, Woche 13

Lie­be Atem­freun­din­nen und Atem­freun­de, 

hier kommt sie, die Num­mer 13, mein letz­ter Coro­na Atem­brief, ich befin­de mich im Über­gang und bin wie­der in der Atem­p­ra­xis direkt für euch erreich­bar. 

” Per­spek­ti­ven” 

Zeit zur Reflek­ti­on über die beson­de­re Zeit die wir durch­lebt und durch­at­met haben, mit dem Blick auf die Zeit die war, dem Blick auf das Jetzt und dem Blick nach vor­ne, auf die kom­men­de Zeit . 

Aus der Atem­ar­beit ken­nen wir das Glück und die Leich­tig­keit wenn der Atem­rhyth­mus im Fluss und jeder Atem­zug neu ist. Hera­klit sprach von “pan­ta rhei” (“Alles fleißt”)   Wenn wir uns gegen die Ver­än­de­rung des Lebens ver­schlie­ßen und das Zulas­sen des Atems ver­mei­den, geht der natür­li­che Fluss unse­res Atems ver­lo­ren. Wir ver­lie­ren unser inne­res Gleich­ge­wicht, kom­pen­sie­ren mit Anstren­gung, sind zuneh­mend gestresst und es kommt zur Sta­gna­ti­on auf allen Ebe­nen.
Wir könn­ten die Zeit des Über­gangs und Nicht­wis­sens sehr gut dazu nut­zen, rück­wir­kend zu ver­ste­hen was Sinn geben könn­te, zu erken­nen, was in unse­rem Leben gera­de geschieht und zu ent­schei­den, was davon wir für die Zukunft nut­zen und aktiv gestal­tend in unser Leben ein­brin­gen kön­nen. 

Anre­gun­gen dazu fin­det ihr u.a. auf der Sei­te des Goe­the Insti­tuts. Es bie­tet bereits seit Ende März das Por­tal “Dana­ch­ge­dan­ken” an, mit viel­fäl­ti­gen Bei­trä­gen von Intel­lek­tu­el­len und Kul­tur­schaf­fen­den aller Kon­ti­nen­te.

John Neu­mei­er, Cho­reo­graf und Lei­ter des Ham­bur­ger Bal­lets erin­nert uns im Inter­view im Tages­spie­gel v. 27.Mai 20. “ Das Wesent­li­che ist der Mensch”  an die Bedeu­tung der Unmit­tel­bar­keit, denn das was pas­siert, “ pas­siert jetzt und ist in die­ser Form noch nie pas­siert – und wird so auch nie wie­der pas­sie­ren”.  

Genau­so ist jeder Atem­zug jetzt und ein­zig­ar­tig, er unter­schei­det sich von dem vor­her­ge­hen­den und ist voll­kom­men neu im dar­auf­fol­gen­den. Wenn wir die­se Qua­li­tät erfah­ren kön­nen, wer­den wir ver­ar­bei­ten und bewäl­ti­gen, was immer uns geschieht.Wir ver­fü­gen dann über ein Lebens­ge­fühl der Kohä­renz. So hat es der Arzt Aaron Anto­now­sky (1923–1994) genannt der dar­über geforscht hat was uns weni­ger krank und schnel­ler gesund wer­den lässt (s. dazu Rue­di­ger Dah­l­ke “Das Alter als Geschenk”). 

Abschlie­ßend möch­te ich Cor­ne­li­us Vee­ning (1895–1976), den Leh­rer von Ilse Mid­den­dorf, zu Wort kom­men lassen:“Die Atem­ar­beit, wie ich sie sehe, ent­hält die fol­gen­den Ele­men­te: Atmung, Bewe­gung und Ton – und eine psy­cho­lo­gi­sche Ori­en­tie­rung. Man kann die Fra­ge stel­len: Ist es Yoga? Die Ant­wort ist Nein! Ist die Bewe­gung Gym­nas­tik? Nein! Oder: Ist die Ton­ar­beit Stimm­tech­nik? Nein! Gemeint ist immer ein Sich-Ken­nen­ler­nen, ein Sich-Erfah­ren, und zwar in der Schicht, wo es ver­pflich­tet. Dazu muss es jedoch per­sön­lich erlebt wer­den”  

als Atem­übung die­ser Woche: die Kos­mi­sche Übung 

P.S.für die Bob Dyl­an Fans unter euch, auch pas­send zum The­ma: das neue Album des 79jährigen Bob Dyl­an, “Rough and Row­dy Ways” auf dem er das Ende der Welt, wie wir sie kann­ten, besingt. 

Ich hat­te gro­ße Freu­de dar­an, euch mei­ne Lebens­zei­chen aus der Atem­p­ra­xis zu schi­cken und auf die­se Art im atmen­den Kon­takt mit euch sein zu kön­nen. Jetzt freue ich mich schon auf den unmit­tel­ba­ren Kon­takt mit euch, sobald ihr ihn wie­der angst­frei für mög­lich hal­tet. 

eure Atem­leh­re­rin Ger­trud

Atembrief von Gertrud, Woche 9

Lie­be Atem­freun­din­nen und Atem­freun­de,  
klei­ne War­nung vorneweg.….es kann pas­sie­ren, dass ich dies­mal etwas albern wer­de. Ursa­chen dafür gibt es ja reich­lich:  die wach­sen­de Ent­span­nung im lan­gen lock­down, zu viel Frisch­luft­zu­fuhr, Ver­lust­schmerz und “Land in Sicht” gleich­zei­tig, heu­te wür­de eigent­lich die Atem­wo­che auf Kor­fu star­ten,  Kor­fu im Sep­tem­ber hin­ge­gen könn­te Rea­li­tät wer­den, das ist schon der Neun­te (!!9!!) Atem­brief, Juch­hu, der ers­te Muse­ums­be­such in der Han­nah Arendt Aus­stel­lung in echt mit einer Freun­din ist in Aus­sicht, die zuneh­men­den diver­sen Ver­schwö­rungs­my­then machen mich ganz wuschig , ich höre laut­star­ke, fre­che, unan­ge­pass­te Musik von jun­gen Ber­li­ner Bands.….….…. was für ein Lebens­ge­fühl.         

BINICHBINICH”                          “Aus­zeit”                  “Es geht vor­an”
Das sind Songs aus dem neu­es Album “Die Kro­ne der Erschöp­fung” der Ber­li­ner Rock­band Shir­ley Hol­mes  (den Namen haben sie  übri­gens von der Nich­te des bekann­ten bri­ti­schen Detek­tivs geborgt), Wer es zur Zeit etwas kraft­vol­ler braucht, um wie­der durch­zu­at­men und die eige­ne Vita­li­tät zu spü­ren,  soll­te sich das neue Album von Shir­ley Hol­mes mit ihrem ganz beson­de­rem weib­li­chen Char­m­e­fak­tor anhö­ren und dazu aus­ge­las­sen tan­zen, ganz beson­ders dazu geeig­net und mit­rei­ßend auch ihr schon älte­rer Song  “ Tan­zen” 
Tan­zen lässt es sich selbst­ver­ständ­lich auch zur Musik der Rock­band Kinks (aus­schließ­lich Män­ner, das war damals so) aus dem Lon­don der 60er Jah­re (das für die Älte­ren unter uns), ihr erin­nert euch sicher­lich noch an  “You real­ly got me” oder etwas ruhi­ger “Come dan­cing”. 

Ich bin so dank­bar und lie­be mei­nen  Atem ein­fach dafür, dass er mir die­se Fle­xi­bi­li­tät und so ein immens gro­ßes Erleb­nis und Seins-Spek­trum erlaubt, ihn inter­es­siert kein lock­down, ihn und mich erfreu­en die Musik der här­tes­ten Rock­band und klas­si­schen Musik gleich­zei­tig, wir lesen die feins­te Lyrik, uns begeis­tern beweg­te Kunst­ob­jek­te sowie alte und moder­ne Male­rei, er bringt mich auf die Schwei­zer Ber­ge , o.k. z.Zt. höchs­tens auf den Ber­li­ner Teu­fels­berg und bahnt sich mit mir Wege durch ver­wil­der­te Ber­li­ner Fried­hö­fe. Nur aller­bes­te Freun­din­nen und “ziem­lich bes­te” Freun­de kön­nen uns die­ses “Ich bin bei allem dabei, kom­me was wol­le” anbie­ten, oder?  

Wie inten­siv erlebt ihr die Freund­schaft zu eurem Atem ? 

Ich habe übri­gens  in den letz­ten Wochen auch die Ber­li­ner Fried­hö­fe ent­deckt als ver­wun­sche­ne und ruhi­ge Orte zum Spa­zie­ren gehen, vol­ler zer­fal­len­der alter Fried­hofs­kunst.  Frau/Mann muss sich dort nicht wie bei einer Völ­ker­wan­de­rung im Gru­ne­wald füh­len. An die­sen Orten trefft ihr höchs­tens mal ein ver­lieb­tes Paar, Füch­se und Kanin­chen …und das mit­ten in Ber­lin. Habt Ihr schon mal vom Sausuh­len­see gehört? Den fin­det Ihr näm­lich auf dem Fried­hof Heer­stra­ße.  Die sel­te­nen far­ben­präch­ti­gen Eis­vö­gel (Vogel des Jah­res 1973 u.2009, NABU)  sind da mit ganz viel Glück auch zu sehen, genau­so wie die Grä­ber von Eve­lyn Kün­ne­cke, Lori­ot, Horst Buch­holz, Georg Kol­be und der Male­rin Sarah Haffner.Berlin hat so vie­le Klein­ode. Es gibt ja Exper­ten die emp­feh­len mitt­ler­wei­le Schrei­the­ra­pie als hilf­reich für Men­schen  die end­lich wie­der durch­at­men wol­len. Ein lau­ter Schrei ist ein­deu­tig unmit­tel­ba­rer kraft­vol­ler Aus­atem, m. E. aller­dings über­haupt nicht geeig­net im häus­li­chen Umfeld mit den eige­nen Kin­dern, son­dern soll­te in deut­li­cher Ent­fer­nung von ande­ren Men­schen statt­fin­den, wo sich dazu gehö­ri­ge Gefüh­le und Aero­so­le unpro­ble­ma­tisch und ohne Risi­ko für ande­re ver­tei­len kön­nen. 

In die­sen beson­de­ren Zei­ten ent­steht auch ver­mehrt Kunst zum The­ma Atem. Die macht Edith Kol­lath, eine erfah­re­ne und begeis­ter­te Atme­rin und Künst­le­rin, aller­dings schon seit vie­len Jah­ren. Sie hat vom Atem inspi­rier­te, luf­ti­ge, beweg­te Instal­la­tio­nen geschaf­fen, www.edithkollath.com, und es gibt auch ein wun­der­vol­les Buch zu die­ser atem­be­weg­ten Kunst: “Mano­eu­vre of Ple­nty”. Noch älter ist das Gedicht ars lon­ga über den Atem von Hil­de Domin (1909–2006) das mir Grit geschickt hat, zu fin­den unter https://wostilleist.blogspot.com/2018/03/ars-longa.html  Und ganz aktu­ell im Tages­spie­gel­ver­kauf, Jep­pe Hein mit “My Breath”.

Über jede Öffent­lich­keits­wir­kung des Atems freue ich mich als Atem­leh­re­rin natür­lich sehr. Viel­leicht wird das ja doch noch was mit der Freund­schaft der Men­schen zu ihrem Atem in gro­ßem Stil. Wenn es dazu Coro­na gebraucht hat, na gut, manch­mal geht Ent­wick­lung eben beson­de­re Wege. Letzt­end­lich geht es doch dar­um, dass wir end­lich begrei­fen dass wir alle in einer Welt leben. Wir haben teil an einem gro­ßen all­um­fas­sen­den Atem, und wer­den nur ein erfül­len­des Leben haben wenn wir zusam­men­ste­hen, uns nicht scha­den,  uns gegen­sei­tig unter­stüt­zen, und ein Atem­zy­klus so wert­voll ist wie der ande­re. It´s easy but not simp­le, ver­steht jedes Kind.  

Und abschlie­ßend noch ein klei­ner Bei­trag von mir zu dem The­ma Ver­schwö­rungs­theo­rien — eigent­lich sind es ja gar kei­ne Theo­rien, die müss­ten Hand und Fuß haben und nach­prüf­bar sein- : Wir sind als erfah­re­ne Atmen­de ziem­lich gut davor geschützt, da wir mit jedem Atem­zug das Zulas­sen üben, und dabei ler­nen, dass es der Inbe­griff alles Leben­di­gen ist dass es immer wie­der vol­ler Über­ra­schun­gen und Zufäl­le steckt. Beim Atmen ler­nen wir schon in den ers­ten Stun­den dass es dafür kein Rich­tig oder Falsch geben kann,  Atmen ist unmit­tel­ba­re Rea­li­tät, jeder Atem­zug unter­schei­det sich vom vor­he­ri­gen und vom noch kom­men­den, da gibt es nichts Abso­lu­tes.  Leben ist nicht vor­aus­seh­bar und nicht kon­trol­lier­bar. Wir sind auf­ge­for­dert, uns die­ser Unsi­cher­heit und Unbe­re­chen­bar­keit zu stel­len, mit jedem Atem­zug, dabei hel­fen uns kei­ne undurch­sich­ti­gen Welt­erklä­rungs­mo­del­le. Sooooo ein­fach und so schwer aus­zu­hal­ten. Des­halb dies­mal als Atem­übung der Woche, sich als Mensch atmend ins gro­ße Gan­ze stel­len

P.S. Für den Fall dass ihr mal ihre Bera­tung braucht, möch­te ich euch Giu­lia Sil­ber­ber­ger­vor­stel­len, Grün­de­rin und Geschäfts­füh­re­rin der gemein­nüt­zi­gen Ber­li­ner Orga­ni­sa­ti­on “ Der gol­de­ne Aluhut”. Sie enga­giert sich für die Auf­klä­rungs­ar­beit zu Ver­schwö­rungs­theo­rien, Sek­ten, ideo­lo­gi­schem Miss­brauch, Hass­re­de und Rechts­ex­tre­mis­mus. Sie gibt work­shops an Schu­len und Unis und ver­leiht jedes Jahr in Ber­lin den Preis “Der gol­de­ne Aluhut”, einen sati­ri­schen Preis für die Ver­schwö­rungs­theo­rien und –theoretiker*Innen des Jah­res. Da wird es die­ses Jahr wohl kei­nen Man­gel an Anwärter*Innen geben. Ein Inter­view mit ihr gab es am Di, 12. Mai im Tages­spie­gel: “ Angst ist die zen­tra­le Trieb­fe­der”.

P.S. Ute Fre­vert, His­to­ri­ke­rin, forscht zur “Geschich­te der Gefühle”und meint  “Die Sehn­sucht nach Sicher­heit ist wohl am stärks­ten aus­ge­prägt” in Grenz­si­tua­tio­nen und dif­fu­sen Bedro­hungs­la­gen. “ Wir kön­nen mit Unsi­cher­heit und Unge­wiss­heit schwer umge­hen, weil wir es sys­te­misch dar­auf anle­gen, alles und jedes unter Kon­trol­le zu brin­gen – auch uns sel­ber und unse­re Gefüh­le” (Tages­spie­gel v. 26.05.20)

P.S. Queen Elizabeth(94) ist iso­liert auf Schloss Wind­sor, in die­sem Jahr fal­len alle ihre Gar­ten­par­tys sowie ihre Geburts­tags­pa­ra­de aus.  eure immer noch opti­mis­ti­sche Atem­leh­re­rin

Habt es gut bis zur nächs­ten Woche
Ger­trud 

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Atembrief von Gertrud, Woche 8

Lie­be Atem­freun­din­nen und Atem­freun­de, 

das wird heu­te mal ein Brief auch in eige­ner Sache: 

Land in Sicht,
singt der Wind
in mein Herz
Die lan­ge Rei­se ist vor­bei.
Mor­gen­licht weckt mei­ne See­le auf.
Ich lebe wie­der und bin frei.
so beginnt ein Song von Rio Rei­ser 

.….-na ja, viel­leicht ist die­se Sicht auf die aktu­el­le Situa­ti­on ja doch ein wenig zu opti­mis­tisch, aber ein gewis­ser Über­gang zwi­schen Hoff­nung und Ban­gen, Nie­der­ge­schla­gen­heit und wach­sen­der Freu­de ist in Sicht.  Wir soll­ten aller­dings im Über­schwang der Freu­de nicht alle Brem­sen auf ein­mal lösen und schlicht eine gesun­de Acht­sam­keit bei­be­hal­ten. 

Über­gän­ge sind beson­de­re Zei­ten und hal­ten die schöns­ten und größ­ten Her­aus­for­de­run­gen und Lern­pro­zes­se für uns alle bereit. Sie wol­len gestal­tet und gelebt wer­den: wir ken­nen abrup­te und unver­mit­tel­te Über­gän­ge, all­mäh­li­che und zar­te, kon­ti­nu­ier­li­che, ritu­el­le .….……unser Leben besteht aus Über­gän­gen, vom ers­ten Tag unse­res Lebens an müs­sen wir uns mutig und beherzt Neu­em stel­len.….… die­se Dyna­mik drückt sich sowohl in jedem ein­zel­nen Atem­zy­klus vom EINATEM zum AUSATEM zur ATEMSTILLE aus wie im Über­gang von einem zum nächs­ten Atem­zy­klus, bis dar­aus im bes­ten Fall ein Flie­ßen wird, und wir uns ohne Fest­hal­ten von Bekann­tem ver­ab­schie­den, das Neue begrü­ßen, ohne zu wissen.….…damit machen wir uns als Atmen­de immer wie­der von neu­em ver­traut. 

Bei mir selbst neh­me ich zur Zeit wahr, dass ich wie­der begin­ne, die ers­ten vor­sich­ti­gen Schrit­te hin zu einer “ana­lo­gen Atem­Ar­beit”  zu pla­nen. Dabei habe ich schon schmerz­lich ler­nen müs­sen, dass für mich als Heil­prak­ti­ke­rin eine “Drau­ßen­pra­xis” recht­li­che Grau­zo­ne ist, sozu­sa­gen als „Markt­platz­mo­dell“ gilt, dem das Gesund­heits­amt vor­her zustim­men müss­te, dabei hat­te ich schon soooo einen schö­nen Platz im Kleist­park für die ers­te Atem­grup­pe aus­ge­sucht. Das Ord­nungs­amt steht dem außer­dem gleich­zei­tig im Weg. Da gibt es noch viel Klä­rungs­be­darf. Ich wer­de die ent­spre­chen­den Stel­len um Aus­kunft bit­ten, ob es Aus­nah­men in die­ser beson­de­ren Zeit gibt. 

Grund­sätz­lich gilt, dass ich als Heil­prak­ti­ke­rin arbei­ten darf, “ was medi­zi­nisch not­wen­dig ist” , und der “Gesund­heit för­der­lich”. Die Ein­zel­ar­beit auf dem Hocker nut­zen ja mitt­ler­wei­le schon eini­ge von euch.…..das soll jetzt ein klei­ner Wink mit dem Zaun­pfahl sein für alle die sonst auf der Behand­lungs­lie­ge im Atem­ge­spräch mit mir sind(!)  

Den­je­ni­gen von Euch die vor Coro­na regel­mä­ßig an den Atem­grup­pen teil­ge­nom­men haben schla­ge ich eine ande­re Vari­an­te vor, bis ein­deu­tig klar ist wann es wie­der los­ge­hen kann, und zwar ohne “Munaske”. Atem­ar­beit mit Mas­ke .…..wer mag sich denn so was ernst­haft vor­stel­len.….. 

Ich wer­de ent­we­der zuhau­se, in der Pra­xis, oder auf irgend­ei­nem “Drau­ßen­platz”  jeweils Mon­tags im ver­trau­ten Zeit­raum von 19.00 –20.15 und Frei­tags von 17.15 – 18.30 mei­ne per­sön­li­che Atem­ar­beit machen und lade euch ein, in die­sem Zeit­raum mit­zu­ma­chen, dort wo Ihr gera­de seid. Das kön­nen ein paar Minu­ten sein, eine hal­be Stun­de oder die gesam­te Zeit­dau­er der übli­chen Atem­grup­pe.. So fin­den wir wie­der zur ver­trau­ten Zeit zusam­men und stär­ken unse­re Atem­com­mu­ni­ty. Sucht euch einen schö­nen Platz und beginnt, euch in die­sem Zeit­raum an Atem­ar­beit anzu­bie­ten was euch ein­fällt bzw. gera­de gut tut: vom Aus­strei­chen übers Durch­kne­ten und Aus­klop­fen des Kör­pers, Hän­de auf­le­gen und Atem spü­ren, genüss­li­ches Deh­nen, unge­nier­tes Gäh­nen, Geräu­sche und Töne, Kon­so­nan­ten und Voka­le, tram­peln­de oder tan­zen­de Füße, aus­la­den­de und kraft­vol­le Schwün­ge jeg­li­cher Art, die Wir­bel­beu­ge, die Kos­mi­sche Übung, die Atem­übung der Woche oder lasst ein­fach euren Atem frei in die Bewe­gung. Eurer Atem­p­ra­xis und Krea­ti­vi­tät sind kei­ne Gren­zen gesetzt. Bleibt solan­ge dabei, und sei es auch nur in einer ein­zi­gen Übung, bis ein Fluss ent­steht und eure inne­re Atem­be­we­gung und die dar­aus ent­ste­hen­de Bewe­gung im Ein­klang sind. Ich star­te mor­gen damit, es wäre wun­der­bar wenn ihr gleich beim ers­ten Mal mit­macht. Das soll euch nicht von eurer täg­li­chen Pra­xis abhal­ten. Über ein feed­back zur Sinn­haf­tig­keit mei­nes Vor­schlags freue ich mich. Ihr wer­det erle­ben, gemein­sam “Atmen macht glück­lich”. 

Dazu sind natür­lich auch alle ande­ren ein­ge­la­den die sonst nicht zu den Atem­grup­pen kom­men, oder schon lan­ge nicht mehr da waren.  Irgend­wann wer­den dann auch wie­der die Pra­xis­tü­ren und –fens­ter für unse­re gemein­sa­me Atem­ar­beit weit geöff­net sein.  Und die Trä­nen von ges­tern wird die Son­ne trock­nen, die Spu­ren der Ver­zweif­lung wird der Wind verweh´n. Die durs­ti­gen Lip­pen wird der Regen trös­ten und die längst verlor´n Geglaub­ten wer­den von den Toten aufersteh´n. Immer noch Rio 

Als Atem­übung der Woche schon mal die fei­ne Andeu­tung eines Lachens: der Zau­ber eines inne­res Lächeln auf eurem Gesicht.  

Und noch was zu eurer Freu­de und zum Nach­den­ken: 

P.S.“Die Gelas­sen­heit ist eine anmu­ti­ge Form des Selbst­be­wusst­seins” Marie von Ebner-Eschen­bach aus “ande­re zei­ten” , Das Maga­zin zum Kir­chen­jahr 2/2020. Ist das nicht eine “anmu­ti­ge” Beschrei­bung einer meist müh­sam erwor­be­nen inne­ren Hal­tung. 

P.S. Falls Ihr doch mal durch­hängt in die­sen Zei­ten, möch­te ich eine Musik mit euch tei­len, die mir eine Atem­schü­le­rin letz­te Woche geschenkt hat, sie bringt das Licht wie­der in eure Her­zen, Nina Simo­ne: Here comes the sun, auf you­tube zu fin­den. Dort fin­det ihr auch den Song von Sebas­ti­an Krum­bie­gel: Die Demo­kra­tie ist weib­lich. 

P.S. und nicht ver­ges­sen: “Poli­tik wird stets von Men­schen gemacht. Sie beein­flus­sen oder beherr­schen die Medi­en, die Kul­tur, die Wis­sen­schaft und die Reli­gi­on. Und das was sie tun, was sie für rich­tig oder falsch hal­ten, hängt vom Grad ihrer see­li­schen Gesund­heit oder Ent­frem­dung ab” aus Hans Joa­chim Maaz, “Das gespal­te­ne Land”, das ich gera­de lese.   Eure opti­mis­ti­sche Atem­leh­rer­in­Habt es gut bis zur nächs­ten WocheGer­trud  

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Atembrief (7) von Gertrud

Lie­be Atem­freun­din­nen und Atem­freun­de, “

I am working on beco­m­ing a human being as oppo­sed to a “human doing”. 
Das war die Ant­wort der fran­zö­si­schen Pia­nis­tin Hélè­ne Gri­maud auf die Fra­ge “Wor­an arbei­ten Sie gera­de” ( im Feuil­le­ton der ZEIT vom 29. April).  

Eigent­lich reicht das doch schon als Sonn­tags­brief aus der Atem­p­ra­xis, und ich mei­ne damit nicht die mög­li­che Her­aus­for­de­rung der Über­set­zung. Zuerst habe ich gestutzt als ich die­sen ein­fa­chen Satz las, dann hat er mich gepackt und bis jetzt nicht mehr los­ge­las­sen. Ich habe die gan­ze Atem­leh­re von Ilse Mid­den­dorf in die­sen paar Wor­ten gefun­den. 

Das SEIN oder ZULASSEN wie wir dazu sagen, die geleb­te “Balan­ce zwi­schen Tun und Las­sen” macht uns zum “human being”, ein lebens­lan­ger Pro­zess bis zum letz­ten Atem­zug. Viel­leicht brau­chen wir ja beson­de­re Zei­ten für die­se Lebens­Ar­beit. Die­se Zeit fürs ler­nen für ein gutes Leben, bekom­men wir gera­de geschenkt. —

EINATEM  AUSATEM ATEMPAUSE — emp­fan­gen, sich vom Atem bewe­gen las­sen, das Emp­fan­ge­ne inte­grie­ren und sein.….zu einem human being wer­den. Als Atem­er­fah­re­ne kön­nen wir dank­bar sein. Wir haben in unse­ren gemein­sa­men Atem­stun­den im Ide­al­fall schon eine Ahnung davon erhal­ten,  bzw. “erfah­ren” gera­de jetzt in unse­ren ein­fa­chen Atem­übun­gen, was uns gut durch atem­lo­se Zei­ten bringt und haben gleich­zei­tig die Chan­ce unser Mensch­sein zu ver­tie­fen. 

Also, das Ver­trau­en auf­brin­gen, sich dem ATem – Rhyth­mus des (eige­nen) Lebens zu über­las­sen, und die­sen auf­re­gen­den leben­di­gen Weg mit klei­nen, manch­mal auch gro­ßen, Schrit­ten gehen. Dabei kann uns nie­mand sagen was rich­tig oder falsch ist, auch nicht die vie­len selbst­er­nann­ten Exper­ten mit ihren Pro­gno­sen. Wir sind immer auf­ge­for­dert, uns eige­ne Gedan­ken zu machen, die eige­ne Wahr­heit zu fin­den und ent­spre­chend zu han­deln, oder, in der Atem­spra­che, sich mit dem per­sön­li­chen Atem­rhyth­mus ver­traut zu machen, ohne das Gan­ze aus den Augen zu ver­lie­ren, und ihn zu leben (erin­nert euch an das schlich­te Hän­de auf­le­gen und Atem­rhyth­mus emp­fin­den). 

Womög­lich ist das ja auch die Vor­au­set­zung einer leben­di­gen demo­kra­ti­schen Ver­fas­sung, die­se Gleich­zei­tig­keit bzw. Rei­bung und Kom­mu­ni­ka­ti­on vie­ler ver­schie­de­ner Meinungen/Atemrhythmen. Wir sind kei­ne pas­si­ven Befehls­emp­fän­ger. Wir müs­sen schon die Ver­ant­wor­tung für das eige­ne Leben über­neh­men. Ein­fach und bequem ist das nicht. Es ist aller­dings auch ein Glück es tun zu dür­fen. Augen auf und wei­ter. 

und zum Schluss kommt noch ein klu­ger Kopf zu Wort: “Ach, sagt das Kän­gu­ruh, es ist ein ewi­ger Kampf”.…… “ Man darf nie auf­hö­ren, alles zu hin­ter­fra­gen” aus den Kän­gu­ruh Chro­ni­ken v. Marc-Uwe Kling   

P.S. die neue Atem­übung der Woche für euren Coro­na Werk­zeug­kof­fer: die klei­ne Acht­sam­keits Aus­zeit 
P.S. Pip­pi Lang­strumpf, das stärks­te Mäd­chen der Welt, wird 75, und hat es mit sei­nem Geburts­tag auf die Titel­sei­te der ZEIT geschafft. Das hät­te sich Astrid Lind­gren sicher­lich nicht träu­men las­sen als sie ihre Geschich­ten schrieb.Die ZEIT meint außer­dem, dass Pip­pi heu­te noch für uns ein “sys­tem­spren­gen­des Vor­bild” sein könn­te. Na dann mal ran Mädels.….die Jungs, die Pip­pi gele­sen und geliebt haben, natür­lich auch.
P.S. Noch eine wohl­tu­en­de Lek­tü­re: Frank Goo­sen, Kaba­ret­tist, hat ein wun­der­ba­res klei­nes Buch über die Beat­les geschrie­ben, die sich vor 50 Jah­ren auf­ge­löst haben.
P.S. Immer hörens­wert, die streit­ba­re Nina Hagen, z. B. mit ihrem Song “Du hast den Farb­film ver­ges­sen”, Nr.2 unter den Top Ten der 100 bes­ten Ost-Songs. Die­se Zusam­men­stel­lung der Zuhörer*Innen von radio­eins ist der Hit über­haupt. DDR Pop Geschich­te pur.
P.S. Und das muss jetzt auch noch rein. Habt Ihr schon mal von “mime­ti­schem Iso­mor­phis­mus” gehört? Ich auch nicht. Kommt aus der Orga­ni­sa­ti­ons­theo­rie. Im TAGESSPIEGEL v. 27. April schreibt Cas­par Hirschel, Prof. für all­ge­mei­ne Geschich­te dazu,  dass es in Kri­sen­zei­ten “zur Anglei­chung durch Nach­ah­mung kommt, weil Orga­ni­sa­tio­nen, um Risi­ken zu mini­mie­ren und schnell zu reagie­ren, das tun, was ande­re bereits getan haben, ohne zu prü­fen, ob es in der eige­nen Kul­tur oder Gesell­schafts­struk­tur ange­mes­sen ist”   

Habt es gut bis zur nächs­ten Woche
Ger­trud